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Die Militärische Living-History-Charta

Die Napoleonische Militärische Living-History-Charta

Die Ziele der Mitglieder der Militärischen Charta

Artikel 1
Wir haben uns als Ziel gesetzt, eine möglichst historisch korrekte Darstellung von Soldaten der Napoleonischen Kriege zu erreichen. Die einzigen Grenzen dabei sind die Berücksichtigung moderner Standards bezüglich Gesundheit und Sicherheit.

Artikel 2
Wir versehen uns mit der historisch korrektesten Kleidung, Bewaffnung und Ausrüstung, die erhältlich ist. Bei den Reproduktionen achten wir auf korrekte Materialien und Fertigungsmethoden. Auf moderne Materialen, die es zur Napoleonischen Zeit noch nicht gab, verzichten wir. Manche Anbieter von Re-Enactment-Zubehör sind sich selber nicht bewußt, daß sie unhistorische Stücke anbieten, deshalb lohnt es sich vor dem Kauf von Bekleidung oder Ausrüstung immer, Experten (zum Beispiel andere Mitglieder dieser Charta) zu Rate zu ziehen. Es ist besser, zu sparen und die eigene Ausstattung erst später, aber historisch korrekt, zu vervollkommnen, als sofort unauthentische, aber billige, Stücke zu kaufen, die man in kurzer Zeit doch wieder durch bessere Objekte ersetzen muß. Zur Überbrückung finden sich immer andere Re-Enactors, die mit Leihsachen aushelfen können.

Artikel 3
Es gibt (glücklicherweise) keine Perfektion - viele wesentliche Aspekte des Lebens der Napoleonischen Soldaten lassen sich nicht nacherleben: der Schrecken und die Verwundungen im Gefecht, Tod auf dem Schlachtfeld oder im Lazarett, Krankheiten, Ungeziefer und vieles mehr. Dies ist jedoch keine Entschuldigung und erst recht kein Grund, sich bei der exakten Umsetzung der anderen Aspekte des damaligen Soldatenlebens keine Mühe zu geben.

Artikel 4
Unsere Darstellung beruht auf gründlicher Recherche und der sorgfältigen sorgfältigen Analyse der Quellen. Widersprüche in den Quellen müssen mit Sachverstand bewertet werden. Generell sind Publikationen zuverlässiger, die Belege für ihre Behauptungen nennen, während man sich auf Publikationen ohne Quellenbelege, auf Unterhaltungsmedien oder auf die bloßen Aussagen von Verkäufern von Re-Enactment-Zubehör nicht einfach so verlassen sollte. Und auch in der Darstellung mancher Re Enactment-Einheiten haben sich im Laufe der Zeit Gewohnheiten eingeschlichen, die den historischn Tatsachen widersprechen und die man nicht unhinterfragt übernehmen sollte.

Artikel 5
Unsere Kenntnis über die damaligen Verhältnisse wächst mit der Zeit, und manchmal ist es aufgrund der Erschließung neuer Quellen nötig, die eigene Darstellung an den neuen Kenntnisstand anzupassen und Uniform und Ausrüstung abzuändern. Wir freuen uns immer über konstruktive Diskussionen und teilen unsere Informationen mit jedem.

Artikel 6
Wir beschränken die Ausrüstung, die wir auf eine Veranstaltung mitnehmen, auf das, was auch ein Napoleonischer Soldat damals mit sich transportiert hätte. Im Grunde ist das das, was in den Tornister paßt. Schwere und sperrige Objekte wie Stühle, Tische, Truhen etc. bleiben - natürlich innerhalb der Grenzen einer realistischen Darstellung - den Darstellern von Offizieren, Verwaltungsbeamten etc. vorbehalten.

Artikel 7
Unsere Darstellung schließt die verschiedenen Anzugsordnungen mit ein, die den Napoleonischen Soldaten durch die militärischen Vorschriften und Gewohnheiten bei ihren Dienstvorrichtungen vorgeschrieben waren.

Artikel 8
Wir passen unsere Darstellung immer an das vorgegebene historische Szenario  oder an die jeweilige Situation (ein Soldat im Biwak, im Lager, in Garnison oder in der Gesellschaft) an.

Artikel 9
Wir erfüllen alle militärischen Pflichten eines damaligen Soldaten: Reinigen, Flicken, Wachdienst und andere militärische Dienste, auch Märsche gehören dazu. Dafür ist eine gute körperliche Konstitution notwendig. Wir sind bereit, während der Veranstaltungen unter den hygienischen Bedingungen eines Soldaten der Napoleonischen Zeit zu leben.

Artikel 10
Eine überzeugende Darstellung kann nicht oberflächlich sein. Unser Ziel ist nicht, moderne Objekte erfolgreich zu verbergen, sondern historische Bedingungen originalgetreu zu rekonstruieren. Das erstreckt sich auf unsere Kleidung und alles, was wir bei uns tragen: auch in den Taschen, im Tornister, Mantelsack, Säbeltasche etc. Darüber hinaus streben wir an, uns auch mit der nicht-militärischen materiellen Kultur zu Beginn des 19. Jahrhunderts vertraut zu machen.

Artikel 11
Unsere Nahrung während der Darstellung entspricht dem, was auch den Soldaten damals zur Verfügung stand.

Artikel 12
Unsere Waffen erhalten wir in einem Zustand, der weder uns noch andere um uns herum gefährdet, denn es sind Waffen, keine Spielzeuge. Wir handhaben sie entsprechend der damaligen Vorschriften, und halten uns dabei den Sicherheitsaspekt stets vor Augen. Wesentlich für eine sichere Handhabung der Waffen im Gefecht ist vor allem ein intensives und immer wieder aufgefrischtes Eindrillen der Ladebewegungen.

Artikel 13
Um einen möglichst umfassenden Eindruck vom Leben der Napoleonischen Soldaten zu bekommen, stellen wir alle möglichen Aktivitäten entsprechend der Vorschriften nach: Exerzieren, Märsche, militärische Zeremonien und Paraden, Stuben-, Zelt- und Ausrüstungs-Inspektionen, Vorposten-und Wachdienst, Gefechte, Nahrungszubereitung etc. Um das ganze authentisch darstellen zu können, müssen wir die entsprechenden Quellen natürlich eingehend studieren.

Artikel 14
Die taktische Grundeinheit damaliger Gefechte war das Bataillon. Daher schließen wir uns bei größeren Veranstaltungen mit anderen Gruppen in temporären Bataillonen zusammen, die entsprechend der damaligen Reglements kommandiert werden. Wir fügen uns in die innere Struktur und Disziplin dieser Bataillone ein und nehmen während der Veranstaltungen an sämtlichen Aktivitäten des Bataillons teil.

Artikel 15
Wir beschäftigen uns auch mit dem Leben der damaligen Soldaten vor ihrem Eintritt in das Militär, und dem der Zivilpersonen der Napoleonischen Zeit, um auch mit den Re-Enactors historisch korrekt interagieren zu können, die Zivilisten darstellen.

Artikel 16
Die Ergebnisse unserer Aktivitäten teilen wir gerne mit anderen historisch Interessierten und auch mit dem Publikum. Living  History ist eine Lernmethode, von der alle interessierten Personen profitieren können.

Artikel 17
"Mainstream"-Re-Enactors, die dieser Charta nicht beitreten, kritisieren wir nicht deswegen, wir sind aber gerne bereit, ihnen - falls sie daran Interesse haben - unsere Einstellung zu erklären und zu begründen. Bei den Veranstaltungen bleiben wir unseren eigenen Ansprüchen an Authentizität treu, auch wenn unsere Umgebung weniger hohe Maßstäbe anlegt.

Artikel 18
Während der Veranstaltungen versuchen wir, die geistige Haltung eines Menschen des frühen 19. Jahhrundert einzunehmen, und beschränken unsere Unterhaltungen und Diskussionen möglichst auf solche, die zu dem historischen Szenario passen.


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